Mein Kind gibt sich Mühe – und bekommt trotzdem keine Chance
- Jenny Dohr

- vor 2 Tagen
- 5 Min. Lesezeit

Was passiert, wenn Kinder sich anstrengen – und trotzdem nicht gesehen werden. Und was du als Elternteil jetzt konkret tun kannst.
Du siehst es ganz genau.
Dein Kind gibt sich Mühe. Wirklich. Und trotzdem bekommt es keine faire Beurteilung – nicht beim Lehrer, nicht im Training, nicht dort, wo es gesehen werden möchte. Viele Eltern erleben genau das: Ihr Kind gibt sich Mühe und bekommt keine Chance.
Und irgendwann merkst du: Es verändert sich. Wird stiller. Oder wütender. Zieht sich zurück.
Und du weißt nicht, wie du das aufhalten sollst.
Wenn Kinder sich anstrengen und trotzdem nicht weiterkommen
Das Gefühl entsteht, wenn Kinder und Jugendliche wiederholt erleben, dass ihre Anstrengung keine Wirkung zeigt – nicht körperlich, sondern innerlich.
Die Psychologie beschreibt das als Verlust von Selbstwirksamkeit –also das innere Erleben:
„Egal was ich tue, es bringt nichts."
Wenn Jugendliche die Erfahrung machen, dass ihr Einsatz nichts verändert, sinkt ihre Motivation – und damit auch ihre Selbstwirksamkeit.
Es zeigt sich als Rückzug, Gleichgültigkeit oder Wut.
Jugendliche haben ein sehr feines Gespür für Fairness – nicht im naiven Sinn, sondern existenziell.
Sie spüren: Werde ich gesehen? Bekomme ich eine echte Chance? Zählt, was ich tue?
Wenn die Antwort immer wieder Nein lautet –in der Schule, im Verein oder im sozialen Umfeld –passiert etwas Entscheidendes:
Nicht Faulheit. Nicht fehlender Wille. Sondern das langsame Erlöschen innerer Wirksamkeit.
Was Jugendliche zeigen, wenn sie innerlich aufgeben
Wenn dieses Gefühl entsteht, zeigt es sich oft auf eine sehr typische Weise: Ohnmacht ist kein lautes Gefühl. Sie kommt nicht mit einer Erklärung.
Sie zeigt sich in dem Kind, das morgens nicht mehr aufstehen will. Das im Training nur noch „mitläuft". Das auf Fragen mit „Weiß nicht" antwortet – und es vielleicht wirklich nicht mehr weiß.
Oder im Gegenteil: Wut. Türenknallen. Emotionale Ausbrüche.
Von außen wirkt das oft wie Pubertät oder fehlende Disziplin.
In Wirklichkeit steht dahinter häufig ein innerer Satz:
„Egal was ich mache – es bringt nichts."
Warum das Problem oft nicht beim Kind liegt
Das ist ein Punkt, der für viele Eltern schwer auszuhalten ist:
Wenn ein Kind sich anstrengt und trotzdem keine Chance bekommt, liegt das Problem selten im Kind.
Es liegt in dem, was um das Kind herum passiert.
Ein Lehrer, der nicht wirklich fair bewertet. Ein Trainer, der bestimmte Kinder bevorzugt. Ein Umfeld, in dem nicht alle die gleichen Möglichkeiten haben.
Diejenigen, die Verantwortung tragen, haben Einfluss. Und wenn dieser nicht bewusst genutzt wird, entsteht genau das, was du gerade beobachtest.
Das zu benennen ist keine Schuldzuweisung –sondern eine realistische Einordnung dessen, was viele Jugendliche erleben.
Was du tun kannst, wenn dein Kind sich bemüht – aber keine Chance bekommt
Viele Eltern fragen sich in dieser Situation: Was kann ich jetzt konkret tun?
Du kannst nicht alles verändern. Aber du kannst das tun, was deinem Kind gerade am meisten fehlt:
Da sein – und sehen.
1. Beobachten und benennen – ohne zu lösen
Sag, was du wahrnimmst. Ohne Bewertung. Ohne Analyse.
z.B. „Ich sehe, dass du gerade kämpfst. Du musst mir das nicht erklären."
2. Auffangen, ohne Druck zu machen
Jugendliche in Ohnmacht brauchen keinen weiteren Druck. Sie brauchen einen Ort, an dem sie nicht leisten müssen.
3. Bereit sein, Verantwortung zu übernehmen
Manchmal braucht dein Kind dich als klare Vertretung nach außen.
Im Gespräch mit Lehrern. Im Verein. Im System.
Nicht aus Kampf – sondern aus Klarheit.
4. Das Kind vom Problem trennen
Ein entscheidender Satz ist:
„Das Problem bist nicht du. Du reagierst auf etwas, das nicht stimmt."
Das kann mehr verändern als viele Gespräche.
Wenn auch du als Elternteil nicht weißt, was du tun sollst
Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch von dir selbst.
Du siehst dein Kind leiden –und gleichzeitig merkst du, dass du es nicht einfach lösen kannst.
Du kannst nicht alles beeinflussen. Du kannst nicht jede Situation verändern. Und du kannst deinem Kind kein Selbstvertrauen einfach „geben" – auch wenn du es so gerne würdest.
Das kann sehr schmerzhaft sein.
Denn wenn das eigene Kind leidet, trifft es einen oft am tiefsten.
In solchen Momenten entsteht nicht nur dieses Gefühl beim Kind –sondern auch bei dir.
Ihr steckt beide in diesem Gefühl. Nur auf unterschiedlichen Ebenen.
Der Weg daraus ist nicht, mehr zu kämpfen. Sondern wieder in Verbindung zu kommen:
Mit deinem Kind. Und auch mit dir selbst.
Warum Reden allein oft nicht ausreicht
Viele Jugendliche können gar nicht sagen, was in ihnen vorgeht – warum sie sich zurückziehen, warum die Motivation fehlt, warum sie auf einmal so anders sind.
Nicht weil sie nicht wollen –sondern weil die Prozesse tiefer liegen als Sprache.
Genau dort setze ich in meiner Arbeit mit dem Seelennavi an.
Ich arbeite nicht nur mit Jugendlichen –sondern begleite auch Eltern dabei, ihr Kind besser zu verstehen und passend zu unterstützen.
Wir machen sichtbar, was sich im Gespräch oft nicht greifen lässt – durch Aufstellungen, in denen innere Prozesse im Raum sichtbar werden.
Stell dir vor, du kannst das, was dein Kind innerlich erlebt, plötzlich sehen – nicht als Theorie, sondern als konkrete Situation. Innere Anteile, Beziehungen und Spannungen werden auf einmal greifbar.
Oft ist es der erste Moment, in dem ein Jugendlicher versteht:
„Das bin nicht ich. Das ist etwas, das mit mir passiert ist."
Und gleichzeitig entsteht bei Eltern etwas ebenso Wichtiges:
Klarheit. Sicherheit. Und ein ruhigerer Umgang mit der Situation.
Was wichtig ist zu verstehen: Du musst das nicht sofort lösen
Das Thema ist komplex. Und es lässt sich nicht mit ein paar schnellen Tipps „reparieren“.
Was dein Kind gerade erlebt, hat oft viele Ebenen: Erfahrungen, die sich wiederholen. Gefühle, die nicht greifbar sind. Dynamiken, die sich nicht einfach verändern lassen.
Deshalb geht es nicht darum, sofort die perfekte Lösung zu finden.
Sondern darum, im Kleinen anzusetzen.
Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einem großen Gespräch –sondern mit einem Moment, in dem Verbindung entsteht.
Ein gemeinsamer Spaziergang. Ein Gespräch, das einfach fließen darf. Ein Zuhören, ohne zu bewerten, ohne sofort etwas verändern zu wollen.
Oder auch das Aushalten der eigenen Gefühle –ohne sie ungefiltert auf das Kind zu übertragen.
Das klingt einfach. Ist es aber oft nicht.
Und gleichzeitig liegt genau darin eine große Wirkung.
Denn in diesen Momenten erlebt dein Kind etwas Entscheidendes:
„Ich bin nicht allein. Ich werde gesehen.“
Und das ist oft der erste Schritt raus aus diesem Gefühl der Hilflosigkeit – für dein Kind und für dich.

Jede Situation braucht ihre eigene Lösung
So herausfordernd das ist: Es gibt in solchen Situationen keine allgemeingültige Lösung.
Jeder Kontext ist anders. Jeder Lehrer, jeder Trainer, jedes System bringt eigene Dynamiken mit. Und vor allem: Jedes Kind erlebt diese Situationen auf seine ganz eigene Weise.
Was für den einen hilfreich ist, kann für den anderen genau das Gegenteil bewirken.
Deshalb geht es nicht darum, „die richtige Strategie“ zu finden –sondern eine passende.
Eine, die zu deinem Kind passt. Zu seiner Persönlichkeit. Zu seiner aktuellen Situation.
Und auch zu dir als Elternteil.
Genau darin liegt oft der entscheidende Unterschied: Nicht mehr Druck. Nicht mehr „Richtig machen“. Sondern ein gemeinsames Verstehen und ein individuell stimmiger Weg.
Gemeinsam schauen wir: Was wirkt hier wirklich? Was braucht dieses Kind – in genau dieser Situation?
Und entwickeln daraus eine Herangehensweise, die nicht allgemein gut klingt, sondern sich für euch stimmig anfühlt – und im Alltag tragfähig ist.
Ein letzter Gedanke
Wenn dein Kind sich anstrengt und trotzdem keine Chance bekommt, stimmt etwas nicht – aber nicht mit deinem Kind.
Dein Kind reagiert auf etwas, das gesehen werden möchte.
Und manchmal reicht es, dass da jemand ist, der genau das tut: hinschaut.
Du erkennst dein Kind oder dich in diesem Text wieder?
Wenn du merkst, dass dein Kind an Motivation verliert, sich zurückzieht oder keine Chance bekommt, kann es hilfreich sein, die Situation gemeinsam genauer anzuschauen.
Ich biete ein kostenloses Erstgespräch an –einen Raum, in dem wir gemeinsam sortieren können, was gerade wirkt und was dein Kind wirklich braucht.
Wir schauen gemeinsam: Was steckt hinter der Situation? Und was könnte ein stimmiger nächster Schritt sein – für dein Kind und für dich.
Mehr über meine Arbeit mit dem Seelennavi erfährst du hier.





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